Die Freiheit, die Stasi und der Tod

Das kurze Leben des Matthias Domaschk

bis 23:30
Dokumentation
  • Stereo
  • Breitwand-Format 16:9
  • Untertitel
  • HDTV
  • 20261115220000
VPS 00:00

Übersicht

Matthias Domaschk kommt 1981 in einem Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR tragisch zu Tode. Es ist ein Cold Case von historischer Bedeutung, der zum Erstarken der oppositionellen Kräfte beiträgt, die 1989 zu Mauerfall und Systemumsturz führen. Der Fall wirft auch universelle Themen auf, die uns heute wieder umtreiben: Wie wollen wir leben? Welche individuelle Verantwortung hat der Einzelne in einer Gesellschaft? Wie weit würden wir gehen, um unsere Freiheit zu verteidigen?

Themen

    Details

    Am Freitag, dem 10. April 1981, steigen der dreiundzwanzigjährige Matthias Domaschk und sein Freund Peter Rösch gut gelaunt in einen Zug nach Ostberlin. Während in der Hauptstadt der DDR an diesem Wochenende der X. Parteitag der SED aufwändig zelebriert wird, wollen die beiden jungen Männer aus Jena zu einer Geburtstagsparty von Freunden. Die beiden werden Berlin nie erreichen. Zwei Tage später ist Matthias tot - gestorben in einem Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit. Er soll sich an seinem eigenen Hemd erhängt haben. Matthias‘ Familie und Freunde zweifeln bis heute am angeblichen Selbstmord des jungen Vaters. Zu vieles scheint merkwürdig. Die Staatssicherheit versucht nach Matthias‘ Tod mit allen Mitteln die Tragödie zu verschleiern und sogar seine Beerdigung geheim zu halten. Was ist am 12. April 1981 wirklich im Untersuchungsgefängnis passiert? Julia Deane, Matthias Domaschks Tochter, geboren 1976: „Ich will verstehen, was passiert ist. Und ich will auch verstehen, was war das für eine Gesellschaft, die das so hat geschehen lassen oder die dazu beigetragen hat.“ Stefanie Domaschk, Matthias Domaschks Schwester: „Diese Anpassung, die man in der DDR haben musste, um eben in bestimmten Positionen zu sein, da hat mein Bruder gesagt, das mach ich nicht mit, so verbiege ich mich nicht. Diese Doppelzüngigkeit, die will ich nicht.“ Packend und zugleich komplex zeichnet die Dokumentation die Geschichte junger Menschen in der DDR, die einen anderen Lebensentwurf haben als ihre Eltern. Sie wollen reisen, internationale Rockmusik hören und selbstbestimmt leben. Sie träumen von einem „freiheitlichen“ Sozialismus. Weil sie anders sind, geraten sie ins Visier der Staatssicherheit, die präventiv zuschlägt. Bernd Roth, damals Hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS: „Man hat diese Leute als Dekadente aufgefasst, die möglicherweise dazu neigen könnten, in der DDR eine Opposition aufzubauen. Wenn du dafür warst, warst du auf der richtigen Seite. Wenn du dagegen warst, warst du auf der falschen Seite.“ Politisiert durch die Gewalt der paranoiden Staatsmacht, treten Matthias Dommaschk und seine Freunde für ihre Rechte ein. Sie unterzeichnen 1976 den Appell der Künstler gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Die Doku beleuchtet einen Cold Case von aktueller Bedeutung. Die Schlüsselerlebnisse werden erstmalig multiperspektivisch von seinen wichtigsten Angehörigen und Freunden, durch private Dokumente und durch Einblicke in den Apparat der Staatssicherheit erzählt. Umfangreiches Film- und Foto-Archivmaterial und animierte Szenen nehmen uns mit auf eine Zeitreise in das Leben der 1970er und 1980er Jahre in der DDR. Wir lernen Matthias als einen Menschen kennen, mit dem wir uns identifizieren können. Seine Träume und kritischen Haltungen damals sind auch für junge Menschen heute leicht nachzuempfinden. Die Frage nach der individuellen Verantwortung des Einzelnen in einer Gesellschaft stellt sich uns allen heute wieder mehr denn je.

    Hinweis

    Gebärde online, Audiodeskription

    Personen

    von:Sabine Michel, Sonia Otto


    TVinfo
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