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Er ist ein echtes Kiez-Urgestein. Olli Zeriadke (57) war Hausmeister und Barkeeper, Türsteher, Koberer und Inkasso-Dienstleister im Rotlichtmilieu. Der durchtrainierte Kampfsportler verkehrte mit Reeperbahn-Größen wie Carsten Marek, Klaus Dieter Barkowsky („der schöne Klaus“) und Thomas Born („Karate-Tommy“) und wurde dann schon mit Anfang 20 Vater. Deshalb beschloss er, „solide zu werden“ und kaufte sich ein Reetdachhaus auf dem Land, wo er seine drei Töchter großzog.
Dort machte er sich erst selbstständig mit einer Firma für Wintergärten und wechselte dann in eine Boom-Branche: Solarenergie. Doch mit der Änderung der Einspeisungsvergütung ging seine Solar-Firma 2014 mit 40 Mitarbeitern pleite und er suchte sein Glück erneut auf dem Kiez.
Nach einigen gefährlichen Situationen als Türsteher sattelte er vor fünf Jahren um und arbeitet nun als Kiez-Führer für Touristen als Angestellter von Kult-Dragqueen Olivia Jones. Doch sein Herzblut fließt seit drei Jahren in ein soziales Projekt: Ollis Regenbogenhaus, eine Unterkunft für ehemals obdachlose Menschen auf der Reeperbahn. Dies hat Olli von der langjährigen ehemaligen Pächterin übernommen, die keinen Nachfolger finden konnte. Seitdem sind seine Mieter wie eine Familie für ihn - er kennt ihre Geschichten und Sorgen, lacht und spielt mit ihnen im Gemeinschaftsraum des Hauses und hilft auch dem einen oder anderen bei Problemen mit Behörden oder begleitet sie zu Arztterminen.
Ollis Regenbogenhaus ist auch ein echtes Familienunternehmen. Ollis Frau Antje ist Krankenschwester und verbringt einen Großteil ihrer Freizeit damit, sich zusammen mit ihrem Mann um das Haus und seine Bewohner zu kümmern. Und auch Ollis Tochter Laura, die als Tischlerin bei der Polizei arbeitet, springt immer wieder ein, wenn handwerkliche Probleme im Haus zu beheben sind.
Nach einem schweren Brand im Jahr 2025, bei dem ein Bewohner verstorben ist, musste die komplette zweite Etage renoviert werden. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen, und Olli muss in allen 14 Zimmern neue Möbel aufbauen und sie für den Einzug fertig machen. Dabei helfen ihm einige der Bewohner und seine Tochter Laura. Alles muss so schnell wie möglich fertig werden - denn Wohnraum in Hamburg ist extrem knapp, vor allem für die Menschen, die bei Olli wohnen möchten, Menschen, denen sonst niemand einen Mietvertrag ausstellen würde, weil sie gestrauchelt sind, Probleme mit Alkohol und Drogen hatten und meist auf der Straße leben.
Für Olli steht fest: Er hat Dinge in seinem Leben getan, auf die er heute nicht mehr stolz ist. Aber all das hat ihn genau an diesen Ort geführt, wo er auf seinem geliebten Kiez anderen helfen kann.
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