Mats Rötger aus Lübeck kontrolliert den solarbetriebenen Jätroboter, der im April Unkraut hackt, damit der im Sommer die in Naturschutz als "Regiosaat" begehrte Roten Lichtnelke möglichst artenrein ernten kann
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Mats Rötger aus Lübeck kontrolliert den solarbetriebenen Jätroboter, der im April Unkraut hackt, damit der im Sommer die in Naturschutz als "Regiosaat" begehrte Roten Lichtnelke möglichst artenrein ernten kann

Landwirt Mats Rötger aus Lübeck zeigt seinem Abnehmer und Hauptkunden Johannes Röttger im Mai die blühende Roten Lichtnelke, eine in Natur- und Artenschutz-Projekten als "Regiosaat" begehrte Wildblume

Landwirt Mats Rötger aus Lübeck wendet die frisch geernteten Acker-Stiefmütterchen auf dem Trockenplatz neben dem Hof, deren Samen sind in Naturschutz-Projekten als "Regiosaat" begehrt
Übersicht
Was andere Landwirte bekämpfen, baut Mats Röttger gezielt an: „Unkraut“. Auf seinen Feldern in Lübeck wachsen Kornblumen, Lichtnelken, Spitzwegerich und viele weitere heimische Wildpflanzen. Ihre Samen sind wichtig für neue Biotope - und manche von ihnen bis zu 400 Euro pro Kilo wert. Doch Wildpflanzen zu vermehren, ist aufwendig und unberechenbar. Die zarten Samen lassen sich nur schwer ernten. Der Landwirt in sechster Generation zeigt, warum hinter mehr Artenvielfalt viel Handarbeit, Geduld und Experimentierfreude stecken.
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Er ist der Bauer, der „Unkraut“ für den Naturschutz anbaut: der Lübecker Landwirt Mats Röttger. Was andere auf ihren Feldern bekämpfen, baut er an. Auf 21 Hektar vermehrt der 32-Jährige fast 30 heimische Wildblumen und Wildgräser, darunter Kornblumen, Rote Lichtnelken, Spitzwegerich und Wiesen-Platterbsen. Das Saatgut dieser Pflanzen wird für neue Biotope, Begrünungen im Straßenbau und andere Naturschutzmaßnahmen gebraucht.
Seit 2020 darf bei der Neuanlage von Biotopen in der freien Landschaft nur noch sogenanntes gebietseigenes Saatgut verwendet werden. Es soll aus der jeweiligen Region stammen und an deren natürliche Bedingungen angepasst sein. In Deutschland bauen deshalb bislang nur rund 80 Landwirte Wildpflanzen für Regiosaatgut an, im Norden sind es zehn.
Die Vermehrung ist anspruchsvoll. Die Pflanzen wachsen ungleichmäßig und werden nicht gleichzeitig reif. Geerntet wird mit einem Mähdrescher aus dem Jahr 1989. Nach jedem Erntetag reinigt Röttger die Maschine bis zu drei Stunden lang mit Laubbläsern auf einer großen Auffangfolie. Kein Samen darf verloren gehen: Die Körner der Roten Lichtnelke können später rund 120 Euro pro Kilo kosten, die der Acker-Witwenblume sogar bis zu 400 Euro. Auch zwischen den Wildpflanzen muss Röttger jäten, damit das Saatgut möglichst artenrein bleibt. Dafür setzt er einen solarbetriebenen Pflanz- und Jät-Roboter ein. Nach der Ernte werden die Samen in großen Holzboxen drei Tage lang mit warmer Luft getrocknet und regelmäßig gewendet.
Röttger ist Landwirt in sechster Generation und gerade zum ersten Mal Vater geworden. Gemeinsam mit seiner Frau Annecke, einer Psychologin, entdeckt er bei Spaziergängen inzwischen sogar am Wegesrand Pflanzen, die für Regiosaatgut wertvoll sein können. Doch ob sich die zarten Gewächse im kommenden Jahr mit dem Mähdrescher ernten lassen, weiß auch der erfahrene Landwirt noch nicht. „Für die Wildpflanzen-Vermehrung gibt es kein Lehrbuch, sondern nur Versuch und Irrtum“, sagt er.
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| Redaktion: | Sven Nielsen |
| von: | Mario Göhring |
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