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Eine WDR Story von Justine Rosenkranz und Jana Niehoff
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Kokain und Crack verändern die Drogenszene in Nordrhein-Westfalen grundlegend. Diese Entwicklung zeigt sich auch in Dortmund: Rund um den Hauptbahnhof und in der Innenstadt prallen offene Drogenszene, Anwohner und der lokale Handel unversöhnlich aufeinander. Insbesondere das direkte Umfeld des Drogenkonsumraums in Fußgängerzonennähe ist zu einem Konfliktherd geworden. Einzelhändler Matthias Hilgering fordert von der Stadtspitze die Verlegung des Drogencafés: „Wir erleben, dass unsere Kunden nicht mehr in den Laden kommen, um nicht angebettelt zu werden und nicht sehen zu müssen, wie Drogenabhängige offen ihre Crackpfeifen rauchen.“
Zahlen und Experten bestätigen die wachsende Krise: Der Konsum von Crack nimmt rasant zu. In den Konsumräumen NRWs konsumierten im Jahr 2025 bereits 32 Prozent aller Nutzer diese Droge - fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Suchtexperten warnen vor einer massiven Zunahme von Verelendung und psychischen Folgeschäden in der Szene.
Die Ruhrgebietsmetropole steht in dieser Dokumentation exemplarisch für eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die viele Kommunen beschäftigt: Wie lässt sich der Balanceakt bewältigen zwischen dem Schutz von Anwohnern und Gewerbetreibenden einerseits und wirksamer Hilfe für schwer abhängige Menschen andererseits?
Politisch bietet Dortmund eine besondere Ausgangslage: Mit Alexander Kalouti steht erstmals seit fast 80 Jahren ein CDU-Oberbürgermeister an der Spitze der Stadt. Er hat einen radikalen Kurswechsel angekündigt.
„Ich möchte, dass sich die Menschen in dieser Stadt wieder sicher fühlen, dass sie die Sauberkeit erleben, die ihre Lebensqualität auch ausmacht. Wir haben sofort nach meinem Amtsantritt die Streifen unseres kommunalen Ordnungsdienstes erhöht.“ Er setzt dabei auch auf verschärfte Polizeikontrollen, sowie die Verlegung des Konsumraums.
Doch kann dieser Ansatz das Problem nachhaltig lösen?
Gegenwind spürt der neue Oberbürgermeister vor allem von den Betroffenen selbst. „Wiesel“ und „Motzi“, die auf der Straße leben und in leerstehenden, verfallenen Häusern hausen, blicken voller Sorge auf die neuen Maßnahmen. Für sie ist der Drogenkonsumraum überlebenswichtig: „Hier werden wir wahrgenommen“, ergänzt Motzi, „hier können wir konsumieren - mit sauberen Utensilien - und bekommen Hilfe, wenn wir sie brauchen.“
Dass die Lage besorgniserregend ist, unterstreicht Drogenexperte Daniel Deimel: „Wir haben in den letzten Jahren einen sehr drastischen Anstieg der drogenbedingten Todesfälle. “Um gegenzusteuern und gleichzeitig den öffentlichen Raum zu entlasten, plädiert er für integrierte Konzepte wie das sogenannte „Zürcher Modell“, bei dem Konsum und Handel innerhalb kontrollierter Suchthilfeeinrichtungen toleriert werden - ein Ansatz, den auch OB Kalouti für denkbar hält, flankiert von einem harten Vorgehen gegen die Dealer-Szene. Doch stellt sich die Frage: Ist dieses Modell rechtlich und strukturell in NRW überhaupt umsetzbar?
Die Dokumentation macht Dortmund zum Brennglas für eine Debatte, die ganz Nordrhein-Westfalen betrifft. Sie begleitet die Suche nach Antworten im Spannungsfeld von Sicherheitsinteressen, politischem Handlungsdruck und der humanitären Frage, ob die am stärksten Gefährdeten überhaupt noch erreicht werden können.
Hinweis
Eine 45-minütige WDR-Dokumentation über die neue Drogenszene in NRW, den politischen Umgang damit und die Menschen, die täglich mit ihren Folgen leben.
Personen
| Redaktion: | Britta Windhoff |
| von: | Justine Rosenkranz, Jana Niehoff |
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