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Roman Brodmann beschreibt in seinem Film von 1966 in der ihm eigenen immer leicht ironischen Art das Geschehen in deutschen Kurorten. Seine Vermutung lautet: Je höher der Lebensstandard, desto höher die Kurbedürftigkeit. Aber auch der Anteil der Sozialversicherten an der Gesamtzahl der Kurgäste stieg damals von Jahr zu Jahr. Mit circa zwei Millionen Kurgästen pro Jahr war eine rasant anwachsender Zweig in der Gesundheitsbranche entstanden. Oder doch eher in der Unterhaltungs- und Amüsierbranche?
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Mitte der Sechzigerjahre ging in Deutschland bereits jede zehnte Arbeitnehmerin bzw. jeder zehnte Arbeitnehmer einmal im Jahr auf Kur. Das Wirtschaftswunder forderte seinen Tribut. Neue Kurorte wuchsen wie Pilze aus dem Boden, alte verträumte Kurstädte erlebten auf einmal einen Massenandrang - ein neuer riesengroßer Geschäftszweig war im Entstehen. Wo früher von Dutzenden Kurgästen die Rede war, spricht man nun von Tausenden, das Kurwesen in Deutschland hatte Aufwind.
Roman Brodmann nannte seine leicht ironischen Beobachtungen unter deutschen Kurgästen im Jahr 1966 „Die Konjunkturgeschädigten“. Der Wohlstandsspeck ist nun unübersehbar und lästig und keinesfalls mehr ein Zeichen von: „Mir geht es gut!“ Man wollte, man musste etwas unternehmen, um fit und konkurrenzfähig zu bleiben. Deswegen kann Roman Brodmann auch so schöne Beobachtungen machen wie diese: „Selbst im acht Grad kalten Wasser der Nordsee frönen noch tief im November Gesundheitswillige einer Leidenschaft, die neben der Romantik wohnt, dem Heroismus.“
Und in der Klinik von Professor Beckmann, dem Sohn des berühmten Malers, wird ebenfalls der Körper gestählt. Wie? Die Kurgäste behandeln sich gegenseitig mit der Wurzelbürste! Längst vergangene Zeiten. Am Ende fragt sich Roman Brodmann, ob nicht doch meistens die Falschen zur Kur geschickt werden und diejenigen, die sie am nötigsten hätten, nicht berücksichtigt werden.
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