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In Hamburg werden immer mehr Benimmkurse für Erwachsene und auch Kinder angeboten.Viele Menschen in Hamburg haben es im Geschäftsleben mit Partnerfirmen aus aller Welt zu tun, werden zu Geschäftsessen mit Japanern und Amerikanern, Indern und Chinesen eingeladen. Wie benimmt man sich dabei richtig? Welche Themen sind bei einem Empfang tabu? Welches Outfit wird erwartet?Ein Sommerfest der Sparkasse steht an: Was sollten die Mitarbeitenden tunlichst vermeiden? Dürfen sie beim Empfang über ihr Rückenleiden sprechen oder über den Abstieg des FC St. Pauli? Welches Glas ist für den Rotwein bestimmt?Wenn Azubis zum ersten Mal Kontakt zur Kundschaft haben, stellt sich die Frage: Blamiert der womöglich die Firma? Können sich die jungen Leute bei einer Konferenz benehmen? Wie arbeiten sie sich beim Geschäftsessen durchs Besteck? Von innen nach außen oder umgekehrt? Denn oft stellen Personalleiter fest: Es hapert bei Schulabgängern nicht nur an der Rechtschreibung, sondern auch am Benehmen. „Hi, ich bin der Kevin“, kommt in einer hanseatischen Firma nicht so gut an. Fallstricke lauern überall.Aber es gibt ja Benimmkurse: Wer wird wann wie begrüßt? Zunächst der Chef oder lieber doch erst seine Frau? Welche Themen gehen beim Smalltalk gar nicht? Wie meistert man ein Fünf-Gänge-Menü?Und wie ist das mit dem Klempner, der den Wohnungsbesitzer schockiert zurücklässt, das Butterbrot auf der Barockvitrine schmiert, mit Gummistiefeln über den guten Teppich latscht und nach der Arbeit die Familie vor einem Schuttberg stehen lässt. „Montage, die begeistert“! heißt ein Angebot für Handwerksbetriebe. Im Kurs wird der Klempner aufgeklärt über den „Kunden - das unbekannte Wesen“. Vielleicht hat der Kunde ja Angst vor Dreck oder Kratzern auf den Stilmöbeln? Vielleicht hat er jahrelang für die Einrichtung gespart? So hat der Monteur das noch nie gesehen. „Bitte kein muffeliges Moin, sondern einen fröhlichen Morgengruß!“, ermahnt die Kursleiterin. Am Schluss des Kurses bekommt der Monteur eine Kompliment-Karte mit. Auf der kann die Kundschaft künftig ankreuzen: „Gut gemacht“ oder „Ich bin begeistert“.Mit gutem Benehmen kann man nie früh genug anfangen, wissen Ausbilder und auch karrierebewusste Eltern. Finnlay und seine Schwester Emma, auch Leander und Mira sollen nicht nur beim Kindergeburtstag, sondern auch beim Familienfest und später nach der Schule mit gutem Benehmen glänzen, nicht schlürfen, schmatzen oder mit vollem Mund diskutieren. Also werden schon die Kleinsten zum Knigge-Kurs geschickt. Demnächst steht Großvaters 70. Geburtstag an. Die Tanten sollen gerührt lächeln über das wohlerzogene Kind, nicht entsetzt feststellen, dass es am Büfett herumkleckert und auf dem Weg zum Tisch alles verschüttet.Die Hamburger Etikette-Trainerin Antje Kühl isst mit Sechs- bis 13-Jährigen Spaghetti und klärt, was krass oder völlig uncool ist, z. B. das Handy auf dem Tisch. Sie berät auch junge Leute, die Bammel haben, sich demnächst in der Firma vorzustellen. Passt ein Anzug oder doch lieber Sakko mit Hose? Antje Kühl geht mit ihrem Kunden einkaufen, berät bei der Anprobe und beim Outfit.Sylvia Etzrodt schult Handwerker, denn die Firma legt Wert darauf, mit höflichen Monteuren weitere Aufträge zu bekommen. Die Kundschaft soll sich nach dem Einsatz nicht über das unmögliche Benehmen des Monteurs beschweren.Zeigt der Kurs Wirkung? Fragt der Klempner jetzt am Eingang, ob er seine Gummistiefel ausziehen soll und ruft der Hausherrin ein fröhliches „Guten Morgen“ entgegen?
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