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Schauspielerin, Sängerin, Autorin und Regisseurin, das alles ist Lucy Wilke. Wild und stürmisch muss es sein bei ihr - sowohl auf der Bühne als auch daneben.
Ihr Rollstuhl ist dabei Nebensache.
Alles andere als geradlinig verläuft Lucys Weg zur Schauspielerei. Doch sie hat es geschafft. Mit viel Hingabe und Hartnäckigkeit erarbeitet sich die 41Jährige ihren Platz auf Deutschlands Bühnen.
Sei es bei den Münchner Kammerspielen oder beim Berliner Festival „xplore“. Aufgewachsen ist Lucy auf einem Wohnwagenplatz im Norden von München. Kunst in all ihren Formen gehört von Beginn an zu Lucys Leben. Ihre Mutter ist Flamenco-Gitarristin, der Vater bildender Künstler und Bühnenbauer. Ihre Eltern sind unkonventionell, aber keine Hippies. Sie wollen einfach anders leben. Um Lucy herum sind ständig Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt zu Gast. Rumba am Lagerfeuer. Ein Theaterzelt gleich nebenan. Lucy saugt das alles in sich auf. In dieser Atmosphäre fühlt sich Lucy sehr wohl - auch weil niemand seltsam schaut. Denn Lucy hat Spinale Muskelathropie und nutzt einen Rollstuhl.
Künstler Paul Wander lässt am liebsten weg. Mit seinen Cut-Out-Werken macht er Wesentliches sichtbar, in dem er Unwesentliches ausschneidet. Auf diese Weise kann Paul seine Ängste ausblenden. Tag für Tag arbeitet Paul im Atelier 23 der Lebenshilfe Gießen an seinen Werken. Zu Beginn haben ihn Linoldrucke fasziniert. Mittlerweile hat er Cut Out für sich entdeckt. Die Kunst, durch Ausschneiden feinste Konturen, Linien oder Räume sichtbar zu machen.
Pauls neueste Bilderserie zeigt Organe: das Herz, die Leber oder auch den komplexen Aufbau einer weiblichen Brust. Tagelang arbeitet der 46-Jährige an seinen Werken. Beim Ausschneiden mit einem Skalpell vergisst er Zeit und Raum. Vergisst auch die Flucht aus seinem Heimatland Kasachstan. Sein Stottern. Seine seelischen Probleme. Weglassen für eine klare Sicht auf die Dinge - das ist Pauls Ding.
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