Übersicht
Der Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Hamburger Schanzenviertel führt nicht nur zu einer weitreichenden Evakuierung, sondern auch zu einem zwischenmenschlichen Ausnahmezustand. Während die einen mit lange verdrängten Ängsten konfrontiert werden, entwickeln sich inmitten des Chaos auch zarte Begegnungen und Nähe. Tiefgründiges Drama von Kerstin Polte (2025).
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Im belebten Hamburger Schanzenviertel wird ein Blindgänger - eine Fliegerbombe - aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Während das Viertel in den Ausnahmezustand rund um Evakuierung und Entschärfung gerät und ein Unwetter näher rückt, kämpfen die Beteiligten nicht nur mit der äußeren Gefahr, sondern auch mit ihren eigenen inneren Konflikten.
Bombenentschärferin Lane gilt als unerschütterlich - bis sie plötzlich persönlich betroffen ist: Ausgerechnet im Haus direkt neben dem Fundort lebt ihre Mutter Margit, die sich weigert, ihre Wohnung zu verlassen. Der Evakuierungsdruck triggert bei Margit die Erinnerungen an die Hamburger Bombennächte ihrer Kindheit; verdrängte Ängste kommen hoch. Für Lane wird die Lage zur Überforderung: Panikattacken werfen sie auf das vererbte Kriegstrauma ihrer Mutter zurück. Im selben Haus versteckt sich Junis, ein afghanischer Geflüchteter, der sich aus Angst vor Abschiebung ebenfalls der Evakuierung entzieht.
Lanes Chef Otto erfährt am Tag des Bombenfunds von einer möglichen Krebsdiagnose und zieht sich sowohl von der Entschärfung als auch von seiner zerrütteten Ehe mit Hanne zurück. Für diese ist Ottos Verschwinden der letzte Tropfen: Sie hält die Spannungen ihrer Beziehung nicht länger aus und erlaubt sich, zu explodieren. Ava, die neue Psychologin im Entschärfungsteam, soll einschätzen, ob Lane für den Einsatz bereit ist. Sie fühlt sich jedoch zunehmend zu ihr hingezogen und ignoriert daher Lanes Trauma. Während aus den in der Krise entstandenen Begegnungen neue Beziehungen erwachsen und alte Brüche überwunden werden, tickt im Hintergrund die reale Bombe.
Hinweis
„Blindgänger“ feierte 2024 auf dem Filmfest Hamburg seine Uraufführung und erzählt mit Feingefühl und subtiler Spannung aus unterschiedlichen Perspektiven von generationenübergreifenden Traumata, Solidarität und der Suche nach Menschlichkeit inmitten des Chaos. Kerstin Polte verknüpft geschickt und empathisch persönliche Schicksale mit den virulenten Fragen unserer Zeit: Fragen nach emotionaler Widerstandsfähigkeit in einer unsicheren Welt. Sie wirft einen forschenden Blick auf das, was uns verbindet, wenn alles andere zu zerbrechen scheint.Produktion: Tamtam Film, Catpics, SR, BR, ARTE
Personen
Schauspieler: Rolle | Lane Petersen Ava Shabani Hanne Bismarck Margit Petersen Otto Bismarck Junis Nerwa Viktor Knigge Ben Glaser Daniela Reiter Karen Herbst William Herbst |
| Regie: | Kerstin Polte |
| Drehbuch: | Kerstin Polte |
| Kostüme: | Tanja Liebermann, Elena Gaus |
| Kamera: | Eva Katharina Bühler |
| Musik: | Daniel Hobi, Ephrem Lüchinger |
| Redaktion: | Christian Bauer, Barbara Häbe, Carlos Gerstenhauer, Nina John |