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Das außergewöhnliche Geschichtsformat erzählt aus der Perspektive von Amateurfilmern, was in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg den Norden prägte, das älteste Material stammt aus den 1940er-Jahren. 162 Filmrollen von 14 Amateurfilmern sind die Basis für eine emotionale und filmische Reise zu den norddeutschen Wurzeln. Mit viel Humor erzählt, entsteht eine einzigartige filmische Reise in die Vergangenheit.
Eine Kindheit geprägt von Verzicht, Enge, aber auch unbändiger Lebensfreude wird so wieder lebendig. Das Super-8-Filmmaterial zeigt große Heimatverbundenheit. Dörfer, deren Bewohner und Feste sind fester Bestandteil vieler Aufnahmen und geben einmalige und berührende Einblicke ins Alltagsleben der Menschen in Norddeutschland. Eine Zeit, in der das Kinderzimmer der Dorfplatz war und wie selbstverständlich neben Kühen im Teich gebadet wurde. Die Hosen waren kurz und die Haare wurden von Muddern geschnitten. Egal ob unweit von Uelzen oder auf Amrum. In dieser Folge geht es um Arbeit und Konsum in der Nachkriegszeit.
Zeitzeugen aus Ostfriesland erinnern sich an die Armut der 1950er-Jahre und wie sie als Jungs bei der Tante in der Stadt stundenlang eine Wand anstarrten. Denn da kam Wasser raus. In Ostfriesland, dem damaligen „Armenhaus des Nordens“, musste das Wasser noch aus dem Brunnen geholt werden. Wasserleitungen waren dort exotisch.
Dafür kam wenigstens Fleisch und Gemüse auf den Tisch. Der Schweinestall war oft Teil des Hauses und Gemüse wuchs in jedem Garten. Das war auch in Mecklenburg-Vorpommern in der damligen DDR so. Schwein, Schaf oder Kaninchen, Tiere dienten zur Versorgung. Klaas Jürrens aus Emden weiß noch, wie sehr die Unterhosen aus Schafwolle gekratzt haben.
Die Hobbyfilmer drehten in den 1970er und 1980er-Jahren alles, was ihnen vor die Linse kam. Sie drehten sogar bei der Arbeit. Es gibt Super-8-Aufnahmen aus Werften und Autowerken, was heutzutage undenkbar wäre. So wurden auch der Wandel in der Arbeitswelt, die veränderte Rolle der Frau und die ersten Aufbrüche in die Ferne mit dem VW-Käfer dokumentiert.
In Mecklenburg-Vorpommern war glücklich, wer aufs Wasser durfte. Ob mit selbst gebautem Segelboot, Surfbrett oder Faltboot, der Horizont war weit und lud zum Träumen ein. Konflikte mit der Volkspolizei gehörten dazu und wurden auf norddeutsche Art gelöst. Mit Schuhen kam ein VoPo nicht aufs Boot, also gab es die Ermahnung am Strand, wie Birgit Dürr aus Wismar erzählt.
Eine einzigartige filmische Reise in die Vergangenheit, in der der Wandel der Ehe, das Recht auf Abtreibung, die urkomischen Anfänge der Wohngemeinschaftskultur ebenso Teil sind wie die unglaublichen Wanderjahre, wenn es mit der „Ente“ (dem 2CV) und den Eltern in den Orient ging.
Hinweis
Personen
| Kamera: | Daniel Laudowicz |
| von: | Nina Rothermundt |