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Im Pariser Théâtre des Bouffes du Nord bringt Wang Xilin Ausschnitte aus seinen berühmtesten Symphonien zur Aufführung. 1936 in der Provinz Henan geboren, zählt der Komponist heute zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Chinas. Regisseur Wang Bing filmt Xilins Körper, der vom Alter, aber auch von jahrelanger Folter gezeichnet ist. Zwischen zwei Auftritten erzählt der seit 2005 im deutschen Exil lebende Dissident, was ihn zu den jeweiligen Stücken bewogen hat.
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Details
Regisseur Wang Bing begegnete dem Komponisten Wang Xilin erstmals im Jahr 2005 bei einer aufsehenerregenden Aufführung seiner vierten Symphonie in der Philharmonie von Peking. Die beiden blieben in Kontakt und 2018, als Wang Bing den Komponisten in Deutschland besuchte, entstand die Idee zu diesem Dokumentarfilm. Der Regisseur bat Wang Xilin, seine Komposition „Man in Black“ zu interpretieren, die auf der Kurzgeschichte „Das Schmieden der Schwerter“ des chinesischen Schriftstellers Lu Xun (1881-1936) basiert. Lu Xun ist einer der gelehrtesten und produktivsten Intellektuellen Chinas, er steht für Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit.Schonungslos brandmarkt der Komponist das Regime und die Epoche, in der er lebt. Er hat fast ein Jahrhundert chinesischer Geschichte selbst miterlebt. Wie kaum einem anderen gelingt es Wang Xilin, Leid und Widerstand in seinem OEuvre zu verarbeiten.Wang Bing entschied sich für das Pariser Théâtre des Bouffes du Nord als Aufführungsort aus ästhetischen wie praktischen Erwägungen: der historische Bau mit seiner Kuppel und den hohen Rängen verfügt über eine ebenerdige Bühne, die es Wang Xilin und dem Kamerateam ermöglichte, sich völlig frei zu bewegen.In seinem Dokumentarfilm setzt Wang Bing den von Folter und Misshandlungen gezeichneten nackten Körper dieses Mannes in Szene, der dennoch oder gerade deshalb dazu fähig ist, in seinen Kompositionen tiefes Mitgefühl auszudrücken. Ausgewählte Auszüge aus Wang Xilins Symphonien erinnern an einige der tragischsten Momente in der chinesischen Geschichte. Wang Xilins gepeinigter Körper zeugt von den Schrecken jener Zeit, als das chinesische Volk völlig entmenschlicht wurde.
Hinweis
Wang Bing hat sich mit seinem Werk als eine herausragende Figur des zeitgenössischen chinesischen Kinos etabliert. In seinen Filmen entwickelt er ein besonderes Verhältnis zur Zeit. Dadurch entsteht eine Intensität, mit der er versucht, die Vergänglichkeit des Lebens seiner Figuren in eine Allegorie zu verwandeln. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte stellt er mit seinen Filmen in den Vordergrund. „Man in Black“ hatte seine Premiere 2023 beim Filmfestival in Cannes im Rahmen einer Sondervorführung.Online verfügbar von 18/05/2026 bis 24/06/2026
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