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Das Italien der Renaissance scheute sich nicht vor nackten Körpern. Davon zeugt Michelangelos monumentaler „David“, 1504 auf der Piazza della Signoria in Florenz aufgestellt. Doch fast 40 Jahre später lösten die Aktdarstellungen im Fresko „Das Jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle heftige Kontroversen aus und führten zur ersten großen Zensur durch die katholische Kirche.
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Michelangelo war ein Künstler wie kein anderer. Mit seinem kreativen Geist eckte er nicht selten an und fand sich im Zwiespalt zwischen seinen künstlerischen Idealen und der Unnachgiebigkeit seiner Auftraggeber wieder. In der Sixtinischen Kapelle schuf er im Abstand von 30 Jahren zwei atemberaubende Meisterwerke, die insgesamt fast zehn Jahre seiner Lebenszeit in Anspruch nahmen. Nach der Fertigstellung des revolutionären Deckenfreskos im Trompe-l‘oeil-Stil widmete er sich dem Werk, das als Höhepunkt seines Schaffens gilt: „Das Jüngste Gericht“. Das Fresko mit knapp 400 nackten Figuren, das sich über die 15 Meter hohe Altarwand der Kapelle erstreckt, fasziniert in jeder Hinsicht.Nach seiner Enthüllung im Jahr 1541 wurde das Gemälde zunächst als Meisterwerk gefeiert und vom Papst Paul III. sowie den Kritikern der damaligen Zeit gelobt. Da Nacktheit in der Renaissance allgemein akzeptiert war, stieß die Darstellung der nackten Figuren nicht auf Widerstand. Die Virtuosität des Künstlers schien damit besiegelt.Doch fast 40 Jahre später entbrannten heftige Diskussionen. Pietro Aretino, einflussreicher Schriftsteller, Begründer der modernen literarischen Pornografie und Meister der Erpressung, goss Öl ins Feuer: Unsittlich. Sündhaft. Gotteslästerung. Schließlich berief der Papst das Konzil von Trient ein, um die Kirche zu reformieren und neue Beschlüsse zu erlassen.Michelangelo war fast 90 Jahre alt, als 1564 - nach zwei Jahrzehnten der Kontroversen - schließlich das unwiderrufliche Urteil fiel: „Das Jüngste Gericht“ muss zensiert werden.
Hinweis
Synchronfassung
Personen
| Regie: | Cécile Bulte, Frédéric Biamonti |