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In dem Landhandel in Schleswig-Holstein gibt es fast alles: Motorsägen, Hühnertränken, Einmachgläser - und auch Wolljacken aus nordfriesischer Deichschafwolle. Die Kundschaft sagt: „Wenn du das irgendwo findest, dann bei Hans Koll in Meggerholm“!
Jürgen Koll, 35 Jahre alt und Vater von drei Kindern, führt das Familienunternehmen im Kreis Schleswig-Flensburg in dritter Generation. Während die Rechnungen an der Kasse noch oldschool per Hand geschrieben werden, tüftelt er an neuen Ideen - oft mit seinem Baby auf dem Arm. Er verkauft Schubkarren mit selbst konstruierter Kippvorrichtung, importiert Mini-Traktoren, -Kartoffelpflanzmaschinen und -Roder, die es sonst nirgendwo gibt. Oder er lässt Messingschilder direkt beim Hersteller in Indien anfertigen. Auch wenn dabei manchmal etwas schiefgeht und dann beim Schild mit der Aufschrift „WarnungvordemHunde“ die Leerzeichen fehlen.
Außerdem hat der Chef des Landhandels eine kleine Modemarke gegründet, obwohl er nach eigenen Angaben nichts von Design versteht. „Hauptsache, die Ärmel sind für uns Norddeutsche lang genug“, hat er den Produzenten in Polen gesagt. Aus der groben Wolle, die die Deichschäfer kaum loswerden, lässt Jürgen Koll Jacken, Mäntel und warme Bettdecken herstellen. Bei der Vermarktung setzt er auf Videos und legt sich dafür auch schon einmal mitten in einer Schafherde auf einem Deich ins Bett.
All das ist Teil seiner Strategie, den Traditionsbetrieb zukunftsfähig zu halten. Doch Onlinehandel, Baumärkte und aktuell eine gesperrte Zufahrtsstraße machen dem Geschäftsmann zu schaffen. Den Umsatzrückgang will er mit einem Stand auf der Landwirtschafts- und Verbraucherausstellung Norla ausgleichen.
Jürgen Koll kämpft um die Zukunft seines Ladens - mit Mut zum Risiko, norddeutschem Pragmatismus und der Unterstützung seiner ganzen Familie. Eine „Nordreportage“ über Unternehmergeist zwischen Gülleschlauch und Videodrehs für Instagram.
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