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Nach der Scheidung von Miriam und Antoine entscheidet ein Gericht über das Sorgerecht für ihren Sohn Julien. Während Miriam sich schützen und den Kontakt zum Vater abbrechen will, kämpft Antoine mit allen Mitteln um sein Besuchsrecht. Bedrückendes Psychodrama über häusliche Gewalt, schonungslos inszeniert von Xavier Legrand (2017).
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Details
Nach einer konfliktreichen Trennung stehen Miriam und Antoine vor Gericht. Es geht um das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn Julien. Miriam beantragt den vollständigen Kontaktabbruch: Sie behauptet, sich um die Sicherheit ihres Kindes zu fürchten. Antoine hingegen weist alle Vorwürfe zurück und präsentiert sich als fürsorglicher Vater, der lediglich um sein Recht auf Nähe kämpft. Schließlich ergeht das Urteil: Das Gericht spricht Antoine regelmäßige Besuchszeiten zu.
Julien gerät zwischen die Fronten. Bei den Wochenendbesuchen wird er zunehmend zum stillen Beobachter und unfreiwilligen Vermittler zwischen den Eltern. Antoine nutzt jede Begegnung, um Informationen über Miriams neues Leben zu erlangen, während Miriam versucht, Normalität für ihre Kinder aufrechtzuerhalten. Die Spannung wächst, je deutlicher wird, dass Antoines Kontrolle weit über juristische Fragen hinausgeht.
Der Film folgt nüchtern und konsequent den unterschiedlichen Blickwinkeln und legt Schicht für Schicht die Dynamik einer zerstörerischen Beziehung offen. Regisseur Xavier Legrand setzt auf präzise Beobachtung, zurückhaltende Mittel und intensive Darstellerleistungen, um eine Atmosphäre stetiger Bedrohung zu erzeugen. „Nach dem Urteil“ ist ein konzentriertes, realistisches Drama, das lange nachwirkt.
Hinweis
„Nach dem Urteil“ ist das Langfilmdebüt von Xavier Legrand, dessen Kurzfilm „Avant que de tout perdre“ 2014 für den Oscar nominiert wurde. „Nach dem Urteil“ wurde 2017 in Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie und als bester Debütfilm ausgezeichnet sowie 2019 mit mehreren Césars, darunter als bester Film. Er gilt als herausragendes Beispiel für modernes europäisches Sozialkino. Legrands präziser Stil verzichtet auf Musik und Effekte und steigert so die emotionale Wucht. Besonders eindrucksvoll ist die konsequente Perspektive des Sohnes, die dem Film seine außergewöhnliche Intensität verleiht.Synchronfassung, Produktion: K.G. Productions, France 3 Cinéma
Personen
Schauspieler: Rolle | Miriam Besson Antoine Besson Julien Besson Joséphine Besson Samuel Richterin |
| Regie: | Xavier Legrand |
| Drehbuch: | Xavier Legrand |
| Kamera: | Nathalie Durand |