Trügerische Etiketten - Chinas Modemafia in Europa

Deutschland, 2026
bis 23:00
Recht und Kriminalität
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Eine WDR Story von Dominik v. Eisenhart-Rothe

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    In deutschen Fußgängerzonen, auf Wochenmärkten und Flohmärkten kommt man nicht daran vorbei: In unglaublichen Mengen wird Kleidung mit dem Label „Made in Italy“ verkauft, aber zu Billigpreisen, die kaum zu erklären sind. Was steckt dahinter? Danilo Ceccarelli, „Senior Coordinator“ der Europäischen Staatsanwaltschaft EPPO, sagt dazu: „In den letzten 20 Jahren hat sich ein verborgenes System chinesischer Organisationen in der europäischen Textilindustrie ausgebreitet. Niemand hat es gemerkt, auch wir nicht. Bis jetzt. Wir müssen nun massiv gegen ein riesiges EU-weites Netzwerk aus halblegalen, illegalen, teilweise mafiösen und staatlichen chinesischen Strukturen bei uns vorgehen“. Die WDR Story geht auf die Spur dieser Geschichte; die Suche führt zunächst in die alte toskanische Textilstadt Prato. Hier werden traditionell edle Stoffe für italienische Mode hergestellt; das Label „Made in Italy“ ist hier seit Generationen in erster Linie ein Qualitätsversprechen. Aber hier entstand auch das chinesische Fast-Fashion-System, das sich in ganz Europa ausgebreitet hat. In endlosen Fabrikhallen wird hier unter weitgehend unkontrollierten Arbeitsbedingungen Massenware für den europäischen Markt produziert. Mitten in der EU, mit dem attraktiven Label „Made in Italy“. Dieses „System Prato“ floriert und wächst. Längst haben die Summen, um die es geht, vor Ort zu einer spezifischen Form von Gewalt und Kriminalität geführt. Im sogenannten „Kleiderbügelkrieg“, über den die italienischen Medien immer wieder berichten, kommt es regelmäßig zu Bedrohung, Einschüchterung und Schutzgelderpressung; auch einige Mordfälle der vergangenen Monate werden dem Milieu der Fast Fashion zugerechnet. Ermittler und investigative Journalisten gehen davon aus, dass die chinesische Mafia dabei eine entscheidende Rolle spielt. Unterstützung bei der Bekämpfung des „Systems Prato“ kommt jetzt von ganz anderer Seite; neuerdings gibt es Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft , wegen Schmuggels und Zollbetrugs. Staatsanwalt Ceccarelli und sein Team gehen davon aus, dass der EU seit Jahren Milliarden Euro an Importzöllen und Steuern entgehen. Denn die Stoffe für die Billigmode aus Prato kommen aus China und werden in die EU geschmuggelt, in der Regel über Häfen, die dank der Seidenstraßen-Initiative der chinesischen Regierung bereits teilweise oder mehrheitlich China gehören. Dabei werden Schwachstellen in den Zollbehörden und verschiedene eher laxe EU-Handelsregeln gezielt ausgenutzt. Im Hafen von Piräus, der mehrheitlich dem chinesischen Staatskonzern COSCO gehört, hat die EPPO im Rahmen der „Operation Calypso“ vor einigen Monaten über 2.400 Container aus China beschlagnahmt, korrupte Zöllner und Zwischenhändler verhaftet und der organisierten Kriminalität einen Schaden von über 700 Millionen Euro zugefügt. „Das war erst der Anfang“, sagt Staatsanwalt Ceccareli.

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    Personen

    Redaktion:Beate Schlanstein
    von:Dominik v. Eisenhart-Rothe

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