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Genuss könnte so einfach sein. Wir sehen etwas Schönes, wollen es haben, genießen es und sind danach zufrieden. Ein perfektes System, um gesund und glücklich durchs Leben zu kommen. Aber: Unser Gehirn kann uns auch auf die Jagd nach Dingen schicken, die wir gar nicht mögen. Dann kann sinnliches Vergnügen sogar in Betäubung kippen. Kann man also falsch genießen - bzw. richtig?
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Genießen soll das Leben schöner machen, steht aber schnell unter Verdacht: Wer zu sehr genießt, gilt schnell als maßlos und undiszipliniert. Dieses Vorurteil untersucht die Psychologin Katharina Bernecker. Ihre Forschung zur Genussfähigkeit legt nahe, dass Selbstkontrolle und Hedonismus keine Gegenspieler sein müssen. Kann echter Genuss uns unter gewissen Umständen sogar disziplinierter machen?
Warum unser Verlangen trotzdem manchmal keine Ruhe gibt, zeigt der Blick ins Gehirn. Neurowissenschaftler Kent Berridge unterscheidet zwischen Wollen und Mögen. Er hat herausgefunden, dass Dopamin nicht unbedingt Glück erzeugt. Es befeuert eher unser Jagdfieber - auf den nächsten Clip, den nächsten Bissen, den nächsten Versuch am Greifautomaten. So können wir immer mehr Dinge wollen, die wir eigentlich gar nicht mögen. Denn selbst wenn wir bekommen, was wir wollen, ist Genuss nicht garantiert.
Hier kommt die Neurophilosophin Ophelia Deroy ins Spiel, die erforscht, wie unser Gehirn aus vielen kleinen Fragmenten ein stimmiges Ganzes formt und was einen Genussmoment kippen lassen kann. Für den Gastrosophen Harald Lemke sind Genussmomente kein reines Privatvergnügen oder simpler Konsum, sondern eine Form von Weltkontakt. Für ihn ist Genuss eine sinnstiftende Praxis, die uns mit anderen Lebewesen, der Natur und der Welt verbindet. Sind wir Menschen am Ende also doch zum Genießen geboren?
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