Britta wird schnell müde und ist immer häufiger erschöpft. Das tritt bei Alzheimer-Kranken häufig auf.
Bildauswahl:

Britta wird schnell müde und ist immer häufiger erschöpft. Das tritt bei Alzheimer-Kranken häufig auf.

Seit ihrer Demenz-Diagnose genießt Britta (l.) ihre Zeit noch bewusster. Gerne spielt sie mit ihrem Enkel Emil (r.) am Strand.

Brittas Demenz ist auch eine Herausforderung für die Beziehung zu Stefan (l.). Selbst alltägliche Unterhaltungen werden immer schwieriger.

Ihre Tochter Marisa (r.) unterstützt Britta (l.), wo sie kann. Beim Shoppen genießen die beiden ihre Mutter-Tochter-Zeit.

Britta (l.) wird von Dr. Eva Koch (r.) mit dem Hertie-Preis für ihren Einsatz für einen offeneren Umgang mit Alzheimer geehrt.

Brittas Ehemann Stefan (r.) steht auch nach ihrer Demenz-Diagnose fest an ihrer Seite. Ohne ihn wären viele Aktivitäten nicht mehr möglich.

Beschäftigung ist wichtig bei Demenz. Seit Britta nicht mehr arbeiten kann, verbringt sie mehr Zeit mit ihrem Hobby Malen.

Britta ist 58 Jahre alt und von Frühdemenz betroffen. Sie war Anfang 50, als die ersten Anzeichen auftraten.

Beim morgendlichen Baden fühlt sich Britta gesund und kann ihre Krankheit für einen Moment vergessen.

Britta ist 59 Jahre alt und hat Frühdemenz. Wie erlebt sie den Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten?

Britta hat das Kinderbuch "Mama Berta und das Vergessen" geschrieben. Mit ihren Lesungen will sie anderen von Demenz Betroffenen Mut machen.

Brittas Kurzzeitgedächtnis arbeitet immer schlechter. Sie muss sich alles aufschreiben.

Jeden Morgen geht Britta an der Ostsee spazieren. Bewegung tut ihr gut und ist wichtig bei Demenz.

Britta findet sich immer weniger in ihrem Haushalt zurecht. Kleine Erinnerungsstützen sollen ihr bei der Orientierung helfen.

Die Ergotherapeutin Sina Tiedtke (l.) unterstützt Britta (r.) seit ihren ersten Symptomen.
Themen
Details
Britta erhält mit 56 Jahren die Diagnose Alzheimer, zwei Jahre ist das her. Ein Schock, denn sie weiß, dass die Krankheit unheilbar ist und sie mit jedem Tag ein Stück ihres Leben verliert.
Britta gehört zu den rund einhunderttausend Betroffenen in Deutschland, die an Frühdemenz erkrankt sind, also bei der Diagnose unter 64 sind. Der Befund hat sie aus dem Leben gerissen. Auch ihre Familie ringt damit, dass ihr Weg ins Vergessen unausweichlich ist.
„Ich kann damit hadern oder damit leben.“ Eine andere Wahl hat Britta nicht. Die Mutter von vier Kindern ist an Alzheimer erkrankt, seit zwei Jahren weiß die 58-Jährige das. Zuerst tippten die Ärzte auf einen Burn-out und schickten sie zur Kur. Doch ihr Zustand besserte sich nicht. Schließlich brachte eine Gehirnwasseruntersuchung Klarheit. Die Diagnose ist nicht nur ein großer Schock, er verändert ihr bisheriges Leben schlagartig und für immer.
Ihren geliebten Beruf als Lehrerin musste sie aufgeben. Nun sitzt sie zu Hause und leidet darunter, nicht mehr gebraucht zu werden. Die meiste Zeit wartet sie darauf, dass ihr Ehemann Stefan von der Arbeit kommt. Für Stefan eine schwierige Situation: Wie soll es weitergehen? Er arbeitet zwar nur noch bis 14 Uhr, den halben Tag aber ist sie allein. Er will gemeinsam mit ihr entscheiden, wie ihre Betreuung in Zukunft organisiert werden und ob sie in ihrem Zuhause in Eckernförde bleiben kann. Doch Gespräche darüber blockt sie ab, obwohl sie weiß, dass sie nicht mehr so viel Zeit hat, selbst Entscheidungen zu treffen.
Die früher selbstständige und unternehmungslustige Frau wird immer abhängiger von der Hilfe anderer. Einkaufen und Kochen kann sie nicht mehr. Auch spontane Ausflüge mit ihrem kleinen Bus gehören der Vergangenheit an, denn sie darf nicht mehr selbst fahren.
Britta versucht, der Krankheit positive Seiten abzutrotzen. Momente des Glücks erlebe sie viel intensiver als früher, sagt sie. Sie lacht darüber, dass sie einen Streit mit Stefan sofort wieder vergisst. Stolz macht sie ein Bilderbuch für ihre Enkelkinder über eine Schafsfamilie und die „Elfe Dementia“, die Gedanken in Feenstaub verwandelt. Britta hat das Buch selbst geschrieben, illustriert und verlegt, sie präsentiert es in Stadtbüchereien und Altenheimen. Damit möchte sie über Alzheimer aufklären und der Krankheit den Schrecken nehmen. Für dieses Engagement wurde sie von der Hertie-Stiftung ausgezeichnet. Doch die schlechten Tage häufen sich. „Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich etwas gesagt oder nur gedacht habe.“ Das macht ihr Angst. Sie spürt die Verluste und weint manchmal bitterlich, weil sie weiß, dass sie ihre Kinder, Freunde und ihren geliebten Mann verlieren wird und nichts dagegen tun kann.
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz und unheilbar. Insgesamt leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Neben älteren Betroffenen gibt es auch viele jüngere Erkrankte: Rund 100.000 Menschen zwischen 45 und 64 Jahren sind von einer Frühdemenz betroffen. Diese Altersgruppe trifft die Diagnose besonders hart, weil sie noch mitten im Berufsleben steht. Auch fehlt es an Versorgungsstrukturen für jüngere Erkrankte: Pflege- und Betreuungsangebote sind fast ausschließlich auf ältere Menschen ausgerichtet, was oft zu massiver Isolation und Frustration führt.
„37°“ wirft aus Brittas Perspektive einen Blick auf die Krankheit. Wie erlebt sie den Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten? Wie bereitet sie sich auf den Tod vor? Und wie gehen Stefan und ihre Kinder mit diesem Weg ins Vergessen um?
Hinweis
[Ton: Audiodeskription ]
Personen
| von: | Marion Mück-Raab, Stefanie Neckermann |