Übersicht
Die 21-jährige Clara wird nachts ermordet - der Täter bleibt unbekannt. Die Ermittler Yohan und Marceau tauchen tief in ihr Leben ein und stossen dabei auf blanken Sexismus. Dominik Molls eindringlicher True-Crime-Thriller zeigt schonungslos auf, wie und warum Frauen Opfer werden.
Themen
Details
Gleich zu Beginn wird darauf hingewiesen, dass 20 Prozent der Mordfälle in Frankreich ungelöst bleiben. So auch jener grauenhafte Mord, zu dem es in der titelgebenden Nacht des 12. tatsächlich gekommen ist. Clara Royer (Lula Cotton-Frapier) ist eine typische 21-Jährige, die in den frühen Morgenstunden das Haus einer Freundin verlässt und begeistert eine Sprachnachricht auf ihrem Handy aufnimmt, ohne zu ahnen, dass ihr Mörder auf der Lauer liegt. Es ist ein vorsätzliches und schreckliches Verbrechen, das Moll so inszeniert, dass es düster wirkt, ohne voyeuristisch zu sein. Basierend auf einem Fall aus Pauline Guénas Sachbuch «Une année à la PJ», verlegt Moll den Tatort von Paris nach Grenoble.
Der Umzug in eine ländliche Gegend verstärkt die Sinnlosigkeit des Ganzen und lässt zudem vermuten, dass feindliche Einstellungen gegenüber Frauen in der Metropole wie auch in der Provinz tief verwurzelt sind. Die Polizisten Yohan und Marceau werden mit dem Fall betraut - der eine ist der neu ernannte Chef der Kriminalpolizei, der andere sein langjähriger Partner und ein Veteran, dessen Privatleben ein einziges Chaos ist. Als sie die Liste der Verdächtigen durchgehen, stellt sich heraus, dass Clara ein reges Sexualleben hatte - etwas, das die beiden Männer, um den Fall zu lösen, natürlich unter die Lupe nehmen.
Die Männer, mit denen Clara zu tun hatte, waren ohne Ausnahme üble Sexisten. So rappte der eine darüber, wie er sie anzünden möchte, während ein anderer nur mit menschenverachtendem Amüsement auf die Befragung durch die Polizei reagieren kann. Aber auch das ausschliesslich aus Männern bestehende Ermittlerteam ist vor Sexismus nicht gefeit. In dieser Atmosphäre beginnen sich Yohan und Marceau - aus unterschiedlichen Gründen - immer weiter in den Fall hineinzusteigern. Während die Polizisten nach einem Motiv suchen, bemerkt Nanie , eine Freundin von Clara, lapidar: «Sie wurde ermordet, weil sie ein Mädchen war.»
Obwohl dieser Film - der zahlreiche Césars gewann, darunter den für den besten Film - von einer gewissen Düsternis geprägt ist, vermittelt er gegen Ende doch eine Art Hoffnungsschimmer. Auch wenn der Täter noch auf freiem Fuss sein mag, gibt es im Film Anzeichen für einen allgemeinen Wandel. Eine Frau, Nadia , ist dem Team beigetreten, und eine Richterin zeigt Interesse an Dingen, die ein männliches Mitglied der Justiz niemals interessieren würden.
Hinweis
[Sprachen: Deutsch / Französisch]
Personen
Schauspieler: Rolle | Capitaine Yohan Vivès Marceau Willy Fred Die Richterin |
| Regie: | Dominik Moll |
| Drehbuch: | Dominik Moll |
| Buch/Autor: | Pauline Guéna |
| Kamera: | Patrick Ghiringhelli |
| Musik: | Olivier Marguerit |