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Wenn von Trauma die Rede ist, denken die meisten sofort an extreme Ereignisse: Krieg, Gewalt, schwere Unfälle oder Naturkatastrophen. Und tatsächlich: Solche Erfahrungen können tiefe seelische Spuren hinterlassen. Doch was, wenn Traumata nicht immer laut daherkommen? Wodurch kann ein Trauma sonst noch entstehen, und woran merkt man überhaupt, dass man betroffen ist?
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Ein Trauma ist kein Randphänomen - im Gegenteil. Laut der Psychologin Maggie Schauer sind seine Folgen in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Ein zentrales Merkmal vieler Traumafolgestörungen ist dabei eine Art innere Abspaltung: Besonders belastende Erlebnisse werden vom Bewusstsein getrennt. Betroffene können sich oft nicht richtig oder gar nicht an das ursprüngliche Ereignis erinnern. Trotzdem reagiert ihr Körper manchmal heftig auf bestimmte Reize, Gerüche, Situationen oder Stimmungen, die unbewusst an das Verdrängte anknüpfen.
Vor allem in der Gefühlswelt hinterlässt ein Trauma Spuren. Die Traumatherapeutin Aylin Thiel beschreibt diesen Prozess als Schutzmechanismus. Doch wer schon als Kind lernt, Gefühle zu unterdrücken oder abzuspalten, hält diesen „gedämpften“ Zustand später oft für normal. Und Probleme wie wiederkehrende Konflikte in Beziehungen, diffuse innere Leere oder Depressionen erscheinen oft rätselhaft, weil ihre eigentliche Ursache im Verborgenen bleibt. Lässt sich dieses Rätsel lösen? Können wir den Spuren eines Traumas folgen - auch wenn die auslösenden Erfahrungen weit zurückliegen?
Wie prägend frühe Erfahrungen sein können, zeigt die Forschung der Neurobiologin Nicole Strüber. Bedingungen wie dauerhaft fehlende Sicherheit oder mangelnde emotionale Verfügbarkeit können bei Kindern Spuren hinterlassen, die sich messbar auf die Entwicklung ihres Nervensystems und ihres Gehirns auswirken. Ab wann wird eine belastende Erfahrung also zum Trauma? Sind tatsächlich so viele Menschen davon betroffen? Oder wird der Trauma-Begriff doch etwas zu großzügig verwendet?
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