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Thomas Zander ist taub und arbeitet als Journalist, Moderator und Schauspieler. Er kommuniziert in der deutschen Gebärdensprache und macht die Lebensrealität gehörloser Menschen sichtbar.
Thomas Zander wuchs als taubes Kind hörender Eltern auf und lernte zuerst die Lautsprache durch Lippenlesen. In seiner Kindheit war Gebärden nicht erwünscht.
Erst 2002 wurde die Gebärdensprache offiziell anerkannt, nachdem taube Menschen lange dafür gekämpft hatten.
1968 geboren, erlebte Thomas Zander eine Schulzeit, in der Gebärden im Unterricht keinen Platz hatten. Die Gebärdensprache lernte er erst später im Kontakt mit anderen tauben Menschen. Das ist heute anders. Seine Frau ist hörend und arbeitet als Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie wuchs als einzig hörendes Kind gehörloser Eltern auf und kennt beide Sprachwelten von klein auf. Die beiden gemeinsamen Kinder sind ebenfalls gehörlos. Im Familienalltag wird ausschließlich in Deutscher Gebärdensprache kommuniziert.
Heute bewegt er sich professionell zwischen unterschiedlichen Sprachsystemen. Für die Sendung „Sehen statt Hören“ im Bayerischen Rundfunk entwickelt er Beiträge, interviewt Aktivistinnen und Aktivisten und arbeitet eng mit einem hörenden Kamerateam zusammen. Produktionsabläufe, Absprachen am Set, Moderationen vor der Kamera - vieles funktioniert nonverbal, präzise und routiniert. Auch in anderen Alltagssituationen entstehen Schnittstellen: beim Gespräch mit seinem Vater oder im Onlineinterview mit einem Historiker, der über die Folgen der Unterdrückung von Gebärdensprache forscht. Mal wird gebärdet, mal lautsprachlich kommuniziert, manchmal vermittelt seine Frau, - eine ausgebildete Gebärdendolmetscherin - zwischen beiden Welten.
Thomas Zander versteht Gebärdensprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als kulturelle Identität. „Es hat sich viel verbessert“, sagt er. „Aber taube Menschen und ihre Sprache werden in der Gesellschaft noch immer zu wenig mitgedacht.“
Hinweis
[Ton: Audiodeskription ]
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