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In Deutschland gibt es rund 5,5 Millionen Bürgergeldempfänger. Gleichzeitig gibt es zahlreiche offene Stellen in Deutschland: Je nach Betrachtungsweise 600.000 bis über eine Million.
Wie passt das zusammen? Haben es die Menschen nicht mehr nötig zu arbeiten?
Dorian aus Berlin sagt offen: „Wenn ich die Wahl habe, bleibe ich im Bürgergeldbezug, statt einen Job anzunehmen, den ich nicht will.“ Der DJ und Elektromusiker lebt für seine Kunst. Das Bürgergeld versteht er als eine Art Stipendium auf Zeit. Zweimal pro Woche besucht er ein Jobcoaching, finanziert vom Jobcenter. Dort setzt man auf Perspektive statt Druck. Ziel sei es nicht, junge Menschen in Jobs zu zwingen, die sie schnell wieder aufgeben.
Ganz anders blickt Oliver Weber auf das System. Der Fleischermeister aus Sulzbach im Taunus sucht seit Jahren Personal - ohne Erfolg. Er wirbt mit Social-Media-Videos um Mitarbeiter, arbeitet am Limit und erlitt bereits einen körperlichen Zusammenbruch. Für ihn ist klar: „Da muss es einen radikalen Einschnitt geben, sodass du gezwungenermaßen arbeiten musst. Das Leben ist kein Ponyhof.“ Das Bürgergeld nehme vielen den Anreiz zu arbeiten.
In Seesen lebt das Paar Nadine und Ronny Linow-Witt. Beide beziehen Bürgergeld und Grundsicherung - und beide sagen, sie würden arbeiten wollen, könnten es aber nicht. Ronny ist suchtkrank und wird substituiert. Er verbringt täglich Stunden mit Akten, Gesetzestexten und Schreiben an Behörden. Der Kampf um soziale Absicherung ist für ihn zur Vollzeitaufgabe geworden. Nadine dokumentiert ihren Alltag auf TikTok, spricht offen über Bürgergeld, Ängste und Hoffnung.
Arztbesuche, Jobcenter-Termine und Gerichtsverfahren prägen ihr Leben. „Ich würde arbeiten, aber ich kann‘s halt nicht, weil ich krank bin. Und ich find‘s schlimm, das ich mich ständig rechtfertigen muss.“
Karloyan Marinov aus Berlin arbeitet seit über zehn Jahren in der Gastronomie - knapp über Mindestlohn. 1300 Euro netto stehen einer Miete von 950 Euro gegenüber. Trotzdem ist der 55-jährige Bulgare zufrieden. „Ich muss immer raus, ich muss immer was tun, das ist mein Leben.“ Karloyan kennt schlimmere Zeiten. In seiner Kindheit hatten er und seine fünf Geschwister nicht immer genug zu essen.
Die „ZDF.reportage“ begleitet Bürgergeldempfänger und Menschen, die selbst für Niedriglohn lieber arbeiten gehen, als von Unterstützung zu leben. Der Film zeichnet ein vielschichtiges Bild des deutschen Sozialstaats und Niedriglohnsektors.
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