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Oberreute im Westallgäu: Ein Dorf, in dem Traditionen noch lebendig sind. Zugleich steht der Ort für strukturelle Herausforderungen: Die Milchwirtschaft, lange zentrale Erwerbsgrundlage, wirft besonders für kleine Höfe zu wenig ab, und der Wintertourismus ist durch den Klimawandel kaum noch tragfähig - der Skilift musste schließen.
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Oberreute im Westallgäu, fünf Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt: Ein Dorf, in dem Traditionen noch lebendig sind - wenn der örtliche Böllerschütze Feiertage mit einem donnernden Schuss begrüßt. Wenn sich beim Heimatabend fast mehr Einheimische als Touristen treffen. Oder wenn im Dorfladen jeder jeden kennt und grüßt. Und doch steht der Ort auch für strukturelle Herausforderungen, mit denen sich viele bayerische Dörfer gerade herumschlagen: Die klassische Milchwirtschaft, lange Zeit zentrale Erwerbsgrundlage der Bauern, wirft gerade für kleine Höfe zu wenig ab, um noch ein angemessenes Einkommen zu sichern. Und der Wintertourismus, seit den 70er-Jahren das zweite zentrale Standbein der Oberreuter, ist durch den Klimawandel kaum noch tragfähig. Der örtliche Skilift musste schließen.1972 lief in der Reihe „Unter unserm Himmel“ das Dorfporträt „Die glücklichen Leute von Oberreute“ im BR Fernsehen. Das Milch-Thema klingt auch da schon an - damals ändert sich gerade die Vermarktungsstruktur, ein Bauer denkt ans Aufgeben und übergibt den Hof dann doch an seinen Sohn - der inzwischen endgültig aufgehört hat. Heute sind es junge Familien, die „ihr“ Dorf neu denken: Steffi und Nico Maucher, die mit einer modernen Heumilch-Käserei einen florierenden und zugleich nachhaltig wirtschaftenden Betrieb geschaffen haben, der Touristen aus der ganzen Region anzieht. Oder Michaela und Rainer Grabherr, die mit ihrem „Schäfle-Hof“ Bio-Schafmilch erzeugen.Manche Zukunftsvisionen erweisen sich heute als Bürde: das einstige Erschließungsgebiet Irsengund etwa. Drei alte Frauen verkaufen ihren Grund an einen Immobilienentwickler, für eine bescheidene Leibrente. Schon im alten Film klingt an, dass dieses Gebiet das Dorf verändern wird: Denn dort entstehen vorwiegend Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze, was Folgen hat für die Struktur des Dorfes. Ein Drittel der Einwohner von Oberreute haben dort nur ihren Zweitwohnsitz und bringen entsprechend nur ein Drittel der Steuereinnahmen. Doch der Ort muss für alle diese Einwohner genauso etwa Straßen oder die Feuerwehr vorhalten.In der neuen Reihe „Daheim in … damals und heute“ werden Orte in Bayern besucht, über die der BR schon in der Vergangenheit berichtet hat. Geschaut wird, was sich verändert hat, was geblieben ist, und was die Gegend ausmacht.
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