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Seit fast 50 Jahren stehen die „Tage der deutschsprachigen Literatur“, eine Erfindung des ORF, für öffentliches Wettlesen und offenen Diskurs. Was bedeuten sie für den Literaturbetrieb?
Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist einer der renommiertesten Literaturpreise des deutschen Sprachraums. Eine hochkarätige Runde aus Autoren, Kritikern und Beobachtern gibt intime Einblicke in Mechanismen und Wirkung des Preises. Moderator Peter Fässlacher fragt nach.
„Da tritt jemand mit seinem unveröffentlichten Werk direkt vors Publikum, und eine Jury und stellt sich einer Diskussion darüber, die auch noch online und im Fernsehen live übertragen wird. Das gibt es doch in keinem Kunst-Genre“, fasst Jurorin Brigitte Schwens-Harrant die Faszination „Bachmannpreis“ zusammen. In Zeiten, da der Diskurs gern schwarzweiß geführt werde, sei diese Veranstaltung eine Wahrnehmungsschule, ergänzt Autorin Natascha Gangl, die 2025 mit ihrem Text „Da Sta“ gewonnen hat.
Aber was bedeutet so ein Gewinn für die Kariere von Schreibenden? Autor Franzobel kann darüber Auskunft geben. Mit einem Bier in der Hand, aus dem er aus lauter Nervosität immer mal wieder einen Schluck nahm, gewann er 1995. Danach gab es 100 Anrufe in der Woche, ein Preisgeld, mit dem er sich als „reich“ empfand, und eine Aufmerksamkeit, „die schon süchtig machen kann“. Buchhändlerin Barbara Kadletz wundert das nicht - ein Bachmannpreis treibt das Interesse an einem noch nicht verfügbaren Text in schwindelerregende Höhen, Verlage und der gesamte Literaturbetrieb feiern.
Wie hochkarätig diese Veranstaltung schon immer war, kann Kritiker Heinz Sichrovsky bestätigen. Als junger Journalist traf er beim Bachmann-Wettbewerb Größen wie Schriftsteller Walter Jens und Kritikerpapst Reich-Ranicki in der Jury. Einig ist sich die Runde, dass für Kunst- und Kulturkritik medial immer weniger Zeit und Raum gegeben wird und sich heute kaum noch jemand einen echten Verriss wie beim Bachmannpreis traut. Allerdings wären es früher auch kleine Runden von Männern gewesen, die in Klagenfurt, Frankfurt und in den Feuilletons Karrieren beendet oder begründet hätten, wirft Jurorin Schwens-Harrant ein. Sie würde heute nicht gern mit diesen Männern über Literatur diskutieren. Sie sei da mehr bei den Autoren und vor der Lesung eines Texts, den sie zum Wettbewerb eingeladen habe, „mindestens genauso aufgeregt“. Diese Veranstaltung habe sich verjüngt, ist diverser geworden, wird auf verschiedenen Plattformen verfolgt, bis hin zu den jungen Buchbloggerinnen, und das sei auch gut so. In ihrer Kompromisslosigkeit hat sie an nichts verloren.
Autorin Natascha Gangl befürwortet das. Manchmal sagten ihr „Verlagsmenschen“, sie solle auch die weniger Intelligenten bei ihren Texten berücksichtigen, Zugeständnisse machen. „Ich kenne das dumme Publikum nicht“, ist ihre Antwort darauf.
2026 feiert der Ingeborg-Bachmann-Preis seine 50. Ausgabe. Die Namensgeberin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 Jahren geboren.
Hinweis
Personen
| Regie: | Beate Thalberg |
| Moderator: | Peter Fässlacher |