Übersicht
„Varieté“ ist ein Klassiker des deutschen Stummfilms, der in die Filmgeschichte eingegangen ist wegen seiner spektakulären Aufnahmen in der Kuppel des Wintergarten-Varietés, dem größten Berliner Varieté der 1920er Jahre. Der Film erzählt von der unglücklichen Liebe eines Trapezartisten zu einer jungen Frau. Die neue Orchestermusik stammt von der 1957 geborenen australischen Komponistin Elena Kats-Chernin, die viele Ballett- und Bühnenmusiken geschrieben hat. In Deutschland ist sie bekannt als Hauskomponistin der Komischen Oper Berlin und aufgrund ihrer engen Zusammenarbeit mit dem Opernregisseur Barrie Kosky.
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Details
Der frühere Trapezkünstler Huller sitzt wegen Mordes seit zehn Jahren im Gefängnis. Er bekommt eine Chance auf Begnadigung und muss dafür seine Lebensgeschichte erzählen: Huller kann durch einen Unfall nicht mehr auftreten und schlägt sich als Schaubudenbesitzer auf St. Pauli durch. Matrosen bringen ein attraktives Mädchen zu ihm, sie tritt als Tänzerin bei ihm auf. Huller verliebt sich in die verführerische Berta-Marie und verlässt für sie seine Familie. Beide finden ein Engagement im renommierten Berliner Varieté Wintergarten, dort feiern sie mit dem Artisten Artinelli als Trio große Erfolge. Als Huller erfährt, dass Berta-Marie ihn mit Artinelli betrügt, tötet er ihn und stellt sich der Polizei.„Varieté“ ist eine der ambitioniertesten Ufa-Produktionen, entstanden an Originalschauplätzen. Die Aufnahmen im Varieté Wintergarten drehten die führenden Kameramänner der damaligen Zeit: Carl Hoffmann, Robert Baberske und Karl Freund, der in dem kurz zuvor entstandenen Filmklassiker „Der letzte Mann“ (1924) von Friedrich Wilhelm Murnau die Technik der „entfesselten Kamera“ entwickelt hatte. Mit Emil Jannings und Lya de Putti wirkten die damals größten deutschen Filmstars mit. Der Film ebnete ihnen, wie auch Regisseur Ewald André Dupont, den Weg nach Hollywood. Dupont zählte zu den größten Regiebegabungen des Weimarer Kinos und war zu seiner Zeit so prominent wie Lang oder Lubitsch. Der große internationale Erfolg von „Varieté“ sicherte E. A. Dupont einen Dreijahresvertrag bei der Universal in Hollywood und ab 1928 einen Vertrag mit British International Pictures .
Hinweis
Ewald A. Dupont (1891-1956) wuchs in Berlin auf. Sein Regiedebüt gab er 1918 mit der Max-Landa-Detektivserie. Ab 1920 drehte er für die Gloria-Film neun Filme, darunter „Das alte Gesetz“ (1923) mit Henny Porten. 1924 betrieb er ein Varieté in Mannheim, das künstlerisch erfolgreich, finanziell ein Reinfall war. Nach dem internationalen Erfolg von „Varieté“ inszenierte er in London „Moulin Rouge“ (1928) und „Piccadilly“ (1929). Seine ersten Tonfilme drehte er für British International Pictures in Englisch, Französisch und Deutsch. Die Emigration stürzte Dupont in eine tiefe Krise, er starb verarmt 1956 in den USA.Originalvertonung, Produktion: Universum Film (UFA), Film Archiv Austria, ZDF, ARTE, Online verfügbar von 24/09 bis 24/12
Personen
Schauspieler: Rolle | „Boss“ Huller Artinelli Berta-Marie Boss‘ Frau |
| Regie: | Ewald André Dupont |
| Drehbuch: | Ewald André Dupont |
| Kamera: | Karl Freund, Carl Hoffmann, Robert Baberske |
| Musik: | Elena Kats-Chernin |