Interview Lisa Feller – „Das lohnt sich, denn sonst wird der sauer“

Lisa Feller moderiert ab dem 14. Februar gemeinsam mit Meltem Kaptan und Daphne Deluxe die Ladies Night in der ARD. Außerdem erscheint am 19.2.2019 ihr neues Buch „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“. Sie spricht im TVinfo-Interview über Liebe, Politikgeseier und Begehren.

Lisa Feller

TVinfo: Sie übernehmen am 14. Februar mit Meltem Kaptan und Daphne Deluxe gemeinsam die Ladies Night von Gerburg Jahnke und treten damit in große Fußstapfen. Was planen Sie für die Ladies Night?

Lisa Feller: Erstmal bin ich total froh, dass Sie sagen, dass die anderen beiden auch dabei sind. Meltem und ich haben gestern noch darüber gesprochen, dass normalerweise immer gesagt wird „DU übernimmst die Ladies Night“, aber wir sind ja zu dritt. Klar sind es „große Fußstapfen“, in die wir treten. Gerburg hat einfach diese Sendung geprägt und hört jetzt auf. Dies hat auch nichts mit ihrem Alter zu tun, auch wenn das so immer wieder behauptet wird. Sie hätte die Sendung noch 20 Jahre machen können. Nach 12 Jahren reicht es aber einfach mal. Da hat man Bock auf was Neues. Und die Sendung geht weiter. Da wir zu dritt sind, sehe ich es auch nicht so, als würde ich in Fußstapfen treten. Es ist vor allem wichtig, dass das so toll angelegte Format weitergeht.

TVinfo: Was machen Sie anders als Gerburg Jahnke?

Lisa Feller: Ich bin schon mal nicht Gerburg. Das mache ich anders. Und ich mache mich auch nicht verrückt, im Sinne von: Ich schaue mir alle ihre Sendungen an und dann mache ich das genauso. Damit kann man nur falsch liegen. Ich war so oft in der Ladies Night zu Gast. Der WDR weiß also, wen er bekommt, und kann sich nachher nicht beschweren, wenn ich, als ich selbst, auf der Bühne stehe (lacht). Ich werde das machen, was ich immer mache: moderieren und lustige Geschichten erzählen. Wir haben 5 Künstlerinnen bzw. ein Duo, die nacheinander in der Sendung auftreten und von mir anmoderiert werden. So viel Spielraum bleibt da nicht.

TVinfo: Ist es ein gutes oder schlechtes Omen, dass Ihre erste Sendung am Valentinstag ist?

Lisa Feller: Das ist ein super Omen. Ich war total glücklich und dachte gleich an die Anfangsmoderation und war total dankbar, gleich einen Aufhänger zu haben. Und: Valentinstag hat ja auch mit Liebe zu tun, ist also ein schönes Omen.

TVinfo: 5 Tage später erscheint Ihr Buch Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen. Läuft gerade bei Ihnen, oder?

Lisa Feller: Ja, aber ich habe auch lange genug angeschoben.

TVinfo: Worum geht’s in Ihrem Buch?

Lisa Feller: Ich beobachte das Leben und meine Mitmenschen. Ich beobachte kleine Situationen und erzähle was über mich und aus meinem Leben. Ich finde es schön, wenn man auch mal die Möglichkeit hat, seine Meinung zu sagen. Und ich lache vor allem auch über mich selbst. Ich finde das anstrengend, wenn man über den Menschen dahinter nichts erfährt, und der immer nur sagt: „Die Merkel ist doof.“ Da frage ich mich schon: Und wer bist du? Und warum soll ich dich genau super finden? Das Leben ist bunt und ich höre wahnsinnig gern zu, wie Menschen miteinander reden und in Situationen geraten. Und es gibt Geschichten auf der Bühne, zu denen würde ich wahnsinnig gern mehr erzählen. In dem Buch habe ich die Möglichkeit dazu.

TVinfo: In Ihrem Buch nehmen Sie auch zu politischen Themen Stellung. Wie wichtig sind Ihnen die politischen Stellen in Ihrem Buch?

Lisa Feller: Wenn sie nicht wichtig wären, wären sie nicht drin. Ich bin sicherlich keine Politikwissenschaftlerin und habe, wie ich finde, vor allem für meine Verständnisse ein sehr gesundes Bauchgefühl. Und wenn jemand, der Lust hat zu lachen, das Buch liest, soll er nicht nur denken, das Buch handle von 200 Seiten Politikgeseier. Ich finde immer gut zu sagen: Das Leben macht Spaß, lachen und sich eine Auszeit zu nehmen ist gut. Es ist mir aber auch wichtig, klar zu machen, worum es eigentlich geht: Gut miteinander auszukommen und dass wir uns von irgendwelchen Arschgeigen nicht in Lager aufteilen lassen. Für mich ist die Antwort immer Liebe. Und es war mir wichtig, genau dies mit einzuflechten und daher mit aufzunehmen.

TVinfo: Ist, das Leben leicht zu nehmen und zu lachen, selber auch schon eine politische Aussage?

Lisa Feller: Das ist eine gute Frage. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Die Frage ist doch: Was ist Politik? Findet Politik wirklich nur parteipolitisch statt? Aber all das, was zwischen Menschen abgeht, ist ja irgendwie auch politisch. Und da kam bei mir die Frage auf: Was überhaupt ist politisch? Ja, ich glaube Politik ist eigentlich dazu da, zu regeln, dass Menschen gut miteinander klarkommen. Wie auch in den Religionen. Die ganzen Gebote sind ja innerhalb der Religionen entstanden, um das Zusammenleben von Menschen zu vereinfachen. „Begehre nicht die Frau deines Nächsten“, das lohnt sich, denn sonst wird der sauer (lacht). Deswegen kann man meiner Ansicht nach auch sagen, dass „arbeitet doch mal eher mit Liebe, als mit Hass“, so gesehen auch politisch ist.

TVinfo: Sie nehmen auch zur Frauenquote Stellung in Ihrem Buch. Sollte es eine Frauenquote in der Comedy geben?

Lisa Feller: Wenn du eine Frauenquote hättest, würden sich vielleicht mehr an Frauen in der Comedy gewöhnen. Im besten Fall wird es dann zum Normalzustand und irgendwann brauchst du die Quote nicht mehr. Natürlich beschäftigen wir Frauen in der Comedy uns damit und fragen uns: Warum ist es immer noch so, dass Veranstalter denken, es gebe nicht viele lustige Frauen. Und dann zählst du denen aus dem Stegreif 20 Namen auf und sie sagen: „Ah stimmt“. Das sind ja Leute, die beruflich damit zu tun haben und denen du immer noch erklären musst, dass es viele lustige Frauen gibt. Im Grunde müsste man sagen, wir brauchen in jeder Show mindestens 2 Frauen (lacht).

TVinfo: Die Ladies Night hat ja eine Frauenquote von 100 %. Sollte man in der Ladies Night dann vielleicht auch eine Männerquote einführen?

Lisa Feller: Nein. Solange es in anderen Comedy Formaten noch so aussieht, dass natürlicherweise immer nur Männer dabei sind, brauchen wir so eine Sendung.

TVinfo: Sie sprechen in Ihrem Buch auch über das Frauenbild in den Medien im Allgemeinen. Maria Furtwängler hat mit ihrer Stiftung soeben eine Studie über das einseitige Frauenbild in den neuen bzw. sozialen Medien herausgebraucht. Was ist da schiefgelaufen?

Lisa Feller: Warum hat jemand denn viele Follower? Häufig ist da ja so: Wenn eine Frau ein hübsches Bild postet, bekommt sie Likes. Von einem Mann hingegen möchte man sich eher das Leben erklären lassen. Wenn du irgendwann in so einer Schleife drin bist und von Instagram lebst, dann machst du als Frau eher solche „Kussbilder“, weil eben genau die gut ankommen und du vielleicht deine Familie davon ernähren musst. So wird ein Druck aufgebaut wird, genau solche Bilder zu posten.

TVinfo: In der Studie wird ein Vergleich zu dem Frauenbild der 50er Jahre gezogen. Machen die sozialen Medien einen Rückschritt?

Lisa Feller: Ich finde, dass die sozialen Medien die Aufgabe haben, mehr gegen falsche Nachrichten und vor allem gegen Hasskommentare vorzugehen. Die Sache, warum Frauen eher für gutes Aussehen angeklickt werden als für irgendeine Meinung, das muss man woanders angreifen. Das können die sozialen Medien nicht alleine retten. Da muss einfach sehr viel in den Köpfen passieren. Es ist ja auch nicht immer die andere Seite: Die Frauen stellen sich auch falsch dar. Wir Frauen müssen uns mehr zutrauen. Ich kenne tolle Frauen, unfassbare Künstlerinnen, die stehen vor der Show da und fragen sich: Ist das wirklich gut, was ich mache? Interessiert das die Leute? Das habe ich von einem Mann noch nie gehört. Dem ist so klar, dass das verdammt richtig ist, dass er da steht. Ich würde auch den Frauen gern immer sagen: Trau dir das zu. Mach einfach.

TVinfo: Es gibt eine Stelle in Ihrem Buch, an der Sie beschreiben, dass Sie nicht online kaufen, aus Angst vor den Spuren, die Sie online hinterlassen. Hat das einen wahren Kern?

Lisa Feller: Ich bin mir der Tatsache bewusst, wie verzahnt und vernetzt das alles ist. Ich habe mal versucht, WhatsApp zu löschen und es meinen Freunden nicht mal missionarisch mitgeteilt, sondern nur gesagt, ich würde gern auf andere Dienste umschwenken. Und es ist wirklich interessant, was dann passiert: Eine Freundin reagierte mit „du willst wohl sagen, ich bin dumm“ und hat sich persönlich angegriffen gefühlt. Es hat drei Jahre gedauert, bis wir wieder normalen Kontakt haben konnten. Die Anderen sagen: „Ist mir egal.“ Die raffen dann gar nicht, welche Folgen es hat, dass wir so ausgelesen werden und sagen: „Wenn im Silicon Valley einer sitzt und weiß, dass ich Kuchen backe, ist mir doch egal.“ Aber das ist leider zu kurz gedacht. Irgendwann merkst du dann, sie sind alle zu schwerfällig. Dabei ist es nur ein Klick! Es ist leicht, sich eine andere App herunterzuladen. Und dann kannst du dich irgendwann nur noch dafür entscheiden, 95% des sozialen Miteinanders nicht mehr mitzubekommen. Vor allem in den Mutti- und Geburtstagsgruppen, die dich dann doch, trotz Versprechungen, nicht mehr einzeln informieren. Oder ich nehme eben wieder Teil und nehme in Kauf, dass es einfach gerade so ist…

TVinfo: Bei TVinfo schließen wir die Interviews immer mit 3 Vervollständigungssätzen ab: Wenn ich mir einen perfekten Mann backen könnte, dann...

Lisa Feller: ...würde ich das tun.

TVinfo: Dass mit Theresa May und Angela Merkel die Zukunft Europas in der Hand von Frauen liegt...

Lisa Feller: ...ist generell erstmal gut, wenn sie richtig entscheiden würden, was England betrifft..

TVinfo: In diesem Interview hat mir gefehlt, dass...

Lisa Feller: ... Sie Kekse mitgebracht haben.

TVinfo: Danke für das Interview.

Das Gespräch führte Markus Pins.

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