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Personalmangel, Inflation und steigender Kostendruck setzen Kliniken in der Provinz unter Druck. - Und die Krankenhausreform verschärft die Lage zusätzlich. Wie in der Landklinik Wriezen.
Das Krankenhaus in Wriezen ist für die Notfall- und Grundversorgung in der Region unverzichtbar: Es darf nicht schließen, ist aber gleichzeitig unterfinanziert. Es wird dringend gebraucht, muss wirtschaftlich aber täglich neu um Stabilität kämpfen.
Der zweite Teil von „37° - Die Landklinik“ erzählt von einem Krankenhaus im Umbruch und porträtiert Menschen, die unter Hochdruck mit großem Idealismus und Kampfgeist Leben retten und sich dafür engagieren, die Bevölkerung in der Provinz medizinisch zu versorgen.
Der wirtschaftliche Druck ist überall deutlich spürbar: Rund drei Viertel der Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen, weil die Kosten für Personal, Energie und medizinisches Material zwar stark gestiegen sind, die Einnahmen aber nicht im gleichen Maß. Kleine Kliniken trifft es besonders hart.
Geschäftsführerin Katja Thielemann (49) steht vor der kaum lösbaren Aufgabe, die Reform umzusetzen, umzustrukturieren und Wege zu finden, weiter einzusparen. Sie leitet die drei Kliniken des kommunalen Verbundes Krankenhaus Märkisch-Oderland, zu denen auch Wriezen gehört. Durch die Reform werden medizinische Leistungen stärker auf größere Häuser konzentriert, Vorgaben für Qualität und Ausstattung steigen, sodass kleine Kliniken wie Wriezen nicht mehr alle Fachbereiche anbieten können.
Chefarzt Georg Bauer (58) versucht, gute Medizin unter immer schwierigeren Bedingungen möglich zu machen. Er muss Fachkräfte finden und halten, Abläufe neu organisieren und zugleich dem Vorwurf begegnen, dass auf dem Land keine gleichwertige medizinische Versorgung mehr zu leisten sei. Doch weniger Fachbereiche, steigender Arbeitsdruck und unsichere Perspektiven machen es schwer, Nachwuchs zu gewinnen und erfahrene Ärztinnen und Ärzte zu halten.
Ohne internationales Personal würde der Klinikbetrieb längst nicht mehr funktionieren. Die indischen Eheleute Anoop Puritipati (35) und seine Frau Meghana Kurapati (30) arbeiten in der Inneren Medizin. Die beiden haben im Landkreis Märkisch-Oderland eine neue Heimat gefunden - in einer Region, in der die AfD rund 35 Prozent der Stimmen erhält. Wie fühlt es sich für ausländische Fachkräfte an, dort sesshaft zu werden? Werden Anoop und Meghana dauerhaft bleiben, auch nachdem sie ihre Weiterbildung abgeschlossen haben?
Der zweite Teil der Reportage „Die Landklinik: Patient Krankenhaus“ zeigt: Der Handlungsspielraum wird enger, der Druck auf das Personal größer. In der Notaufnahme, im OP und auf den Stationen läuft der Betrieb - dank des unermüdlichen Einsatzes der Mitarbeitenden, die über ihre Belastungsgrenzen hinaus arbeiten. Doch wie lange kann ein System tragen, das sich immer stärker auf den persönlichen Einsatz Einzelner verlässt? Wie kann medizinische Versorgung in der Provinz in Zukunft aussehen?
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